Kommentar: Warum „Fische feilen“ Abiturienten keine Studienorientierung gibt

Berufsorientierung in der Sekundarstufe II sollte Klarheit über das „Können und Wollen“ junger Menschen für bestimmte Studiengänge oder Ausbildungsberufe schaffen. Dabei gilt: je zeitnaher am Abitur diese Selbstreflexion stattfindet, desto relevanter ist sie für die wichtige Weichenstellung nach der Schule. Manche Länder versuchen nun, diese Frage mit Kompetenzfeststellungsverfahren inklusive handlungsorientierter Potenzialanalyse zu lösen. Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien stellen sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens.
 

Mit Können und Wollen zur Selbstreflexion

Am Anfang steht die Motivation für eine bestimmte Fachrichtung des Studiums oder eines Ausbildungsberufs – oder einfach gesagt: das „Wollen“. Dazu muss noch das „Können“ kommen, also die erforderlichen kognitiven Fähigkeiten. So weit, so theoretisch. Ein künftiger Arzt zum Beispiel muss sich unter anderem für soziale und medizinische Tätigkeiten interessieren (Motivation), empathisch sein (Schlüsselqualifikation), aber auch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen (kognitive Fähigkeit) besitzen, damit er zukünftig auch bei schwierigen Operationen keine falschen Schnitte setzt. An diesem Beispiel zeigt sich, dass Berufsorientierung ganzheitlich, vielschichtig und auch praktisch sein muss und nicht nur aus Schulnoten oder aus Interesse bestehen darf. Zudem darf Berufsorientierung kein „verordneter“ Weg sein – für jeden Schüler, jede Schülerin ist etwas Anderes interessant und motivierend; jeder bringt dafür eigene Voraussetzungen mit. Es geht also um Selbstreflexion. Gerade Abiturienten sind es gewohnt, kritisch und eigenständig mit Informationen umzugehen. Diese Selbstständigkeit des Geistes darf die Berufsorientierung nicht einschränken.
 

Wenn schon Handlungsorientierung, dann bitte nicht „Fische feilen“

„Verordnete“ Programme zur Kompetenzfeststellung mit Handlungsorientierung können die mündige Selbstreflexion nur schwer abbilden. Denn die praktische Übung in der Handlungsorientierung ist für alle Teilnehmer gleich. Das versteht man erst vor dem Hintergrund der Absicht solcher Potenzialanalysen: die Ausbildungsplatzwahl von Schülern, die den Haupt- und mittleren Schulabschluss anstreben. Bestandteile sind ein Interessenstest  und eine fremdbeobachtete Praxisübung, wie „Fische feilen“. Pädagogen geben dann das Feedback zu Geschicklichkeit oder Kommunikationskompetenz. Kann das für die Sekundarstufe II sinnvoll sein? Wenn Handlungsorientierung schon Bestandteil sein soll, dann eher wie ein Assessment-Center, das jedem Schüler den Raum gibt, sein Reflexionsergebnis darzustellen.
 

Lehrkräfte sind keine Berufsberater

Viele Lehrer und Lehrerinnen werden über solche Programme in eine neue Rolle gedrängt. Sie sollen nun den Schüler beobachten und ihm berufsbezogen Feedback geben. Aus 30 Jahren Erfahrung mit der Berufsorientierung an Schulen wissen wir, dass eine neutrale Instanz bei den Schülern höhere Akzeptanz findet. Außerdem sind es letztlich die Lehrer oder Lehrerinnen, die die Schüler im Alltag benoten. Damit die Schulnote nicht unbewusst ins Feedback einfließt, braucht es eine professionelle Beobachterschulung. Und selbst wenn das geleistet werden kann, muss der Schüler als Feedbacknehmer diese Neutralität auch glauben. Zudem ist die Zeit- und Kapazitätsfrage für Lehrkräfte ebenfalls meist ungelöst.
 

Berufsorientierung mit validen und reliablen Verfahren

Berufsorientierung an der Sekundarstufe II mit einem neutralen, auf Vergleichswerten basierten Verfahren ist für Gymnasien die praktische Alternative: zeit- und ressourcenschonend und dennoch valide und reliabel. Letztlich der Anstoß zur Selbstreflexion der Schüler und Schülerinnen.
 
 
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